Pferdegymnastik Lilly und Smokey 18.11.17

Es ist ein typischer Novembertag: kalt und neblig. Dennoch freue ich mich auf das Zusammensein mit meinen Pferden.

Lilly im Trab. Der Wechsel durch den Zirkel im Trab ist bei unserem 15x15m Reitplatz immer wieder eine Herausforderung an die Balance des Pferdes. Deshalb wurde das Pferd im Schritt vorab gut auf diese Bewegung vorbereitet.

Wechsel durch die Diagonale im Trab
Umsitzen von links nach rechts – linken Zügel durch die Hand gleiten lassen
Trab rechtsherum – Stellung und Biegung rechts

Die Trabsequenzen halte ich kurz, damit Lilly in der Lage ist, den Rücken/Widerrist oben zu behalten. Das Pferd darf niemals ermüdet werden, sonst sackt der Rücken ab und das Pferd hängt im passiven Halteapparat, so würde jede Erschütterung bis in die Gelenke und die Wirbelsäule durchwirken. Die Muskulatur sollte langsam und mit Bedacht aufgebaut werden, damit keine Verspannungen entstehen. Durch sinnvolles Training wird das Pferd nicht nur körperlich geschmeidiger und kraftvoller, auch das Selbstbewusstsein des Pferdes wächst 🙂 .

Lilly Trab

 

Die Basis jedes Trainings sind die Seitengänge. Die Seitengänge machen den Pferdekörper sowohl beweglich als auch kräftig, das Pferd schult seine Körperkoordination und sein Gefühl für den eigenen Körper.

Das Schulterherein ist die wichtigste gymnastische Übung im Pferdetraining. Im folgenden Bild tritt Lilly gerade mit dem inneren Hinterbein (hier ihr linkes) über das äußere Hinterbein. Dabei senkt sich die innere Hüfte ab, der Rücken hebt sich.

Die Hilfengebung sollte so fein wie möglich sein: der Reiter nimmt seine eigenen Schultern nach innen und lässt seine Hüfte weiterhin in Bewegungsrichtung zeigen. Der innere Sitzbeinhöcker bleibt belastet um die Biegung des Pferdes zu erhalten. Unterstützend zur Sitzhilfe kommuniziert die äußere Hand mit dem inneren Schenkel die Abstellung und das Tempo.  Die Hüfte muss dabei wie immer locker bleiben, um die Bewegungen des Pferdes durch den Körper des Reiters hindurch gehen zu lassen. Alle Hilfen sollten nur unterstützend eingesetzt werden, niemals dauerhaft. „Gib dem Pferd die Haltung und lass es gewähren“ schreibt Nuno Oliveira – er meint damit meiner Meinung nach nichts anderes als das Aussetzen der Hilfen. Wenn das Pferd die Stellung zu verlassen droht, kann man unterstützend eingreifen, ansonsten ist das Pferd in der Bewegung frei zu lassen.

Schulterherein links

 

Die folgenden beiden Bilder zeigen Travers. Im Travers ist das Pferd in Bewegungsrichtung gestellt und gebogen. Das Pferd muss also seinen Körper dem „treibenden Schenkel“ entgegenwölben. Ein Widerspruch, wenn es vorher gelernt hat, sich um den angelegten Schenkel zu biegen….

Deshalb ist es wichtig in der Ausbildung des Pferdes, die Biegung so früh wie möglich mit dem inneren Sitzbeinhöcker (des Reiters) zu kommunizieren. Der innere Schenkel hängt locker, lang und „schwer“ am Pferdeleib herab, ggf. kann der Bügel leicht (!) ausgetreten werden. So bleibt der Schenkel für das Pferd mit „Treiben“ assoziiert. Wobei Treiben nie ein Dauerdruck sein darf. Das Timing ist entscheident.

Und dabei bitte nie vergessen: soweit ein Hinterbein untertritt, soweit muss das andere Hinterbein hinten heraus schieben und das Becken des Pferdes wird im schlechtesten Fall flach (= Gegenteil von Versammlung) ….  Ist es also sinnvoll, wenn das innere Hinterbein weit untertritt? Oder ist es sinnvoller das Pferd als ganzes wahrzunehmen und es durch abwechselnde Seitengänge/Biegungen zu ermuntern, den ganzen Körper also quasi die Linie Sitzbeinhöcker-Bug zu verkürzen und dabei beide Hinterbeine näher an den Schwerpunkt zu bringen und den Rücken zu heben…

Den Zügelhilfen kommt im Travers auch eine Bedeutung zu: der innere Zügel darf die innere Hüfte des Pferdes nicht blockieren. Deshalb ist es wichtig, dass der innere Zügel in der gedachten Verlängerung in Richtung äußere Hüfte des Pferdes zeigt. (Die Wirkungen der Zügel zum Nachlesen: Jean-Claude Racinet „Feines Reiten in der französischen Tradition der Legerete“).

Travers nach links – Schränken des rechten (äußeren) Hinterbeines über das innere Hinterbein
Travers nach rechts – Schränken des äußeren (hier linken) Hinterbeines über das innere Hinterbein

 

Im folgenden Bild nochmal Schulterherein in schöner Stellung und Biegung. Die Nase des Pferdes sollte immer vor der Brust sein, niemals darf der Kopf nach innen gezogen werden, das würde das Pferd aus dem Gleichgewicht und auf die äußere Schulter bringen. Und besonders schön: freudig aufmerkames Pferd und fröhlich-lächelnde Reiterin 🙂 (wenn auch vermummt, ob der Kälte 😉 )

Schulterherein

 

Smokey in der Traversale nach links. Schöner wäre es, wenn ich mein inneres Bein nicht so verkrampft wegstrecken würde, sondern es stattdessen nach unten in den Bügel hängen lassen würde. Das äußere Bein darf nur einwirken, wenn das Pferd stockt. Und dann nur impulsartig. Smokey führt die Übung größtenteils selbstständig aus, er ist sehr konzentriert und aufmerksam.

Traversale nach links

Folgende Bilder: Im Renvers ist das Pferd in Bewegungsrichtung gestellt und gebogen. Die Hinterbeine beschreiben einen größeren Kreis als die Vorderbeine. Auf dem Bild unten ist sehr schön zu erkennen, dass Smokeys Widerrist angehoben ist und er sich sammelt um die Ecke im Renvers geschlossen bewältigen zu können. Die Haltung des Reiters sollte -wie immer- losgelassen sein in guter Aufrichtung ohne Spannungen.

Im Spiegelsitz werden die unterstützenden Hilfen durch Hand und Beine immer weiter reduziert, bis alleine der Sitz die Bewegungsrichtung und Stellung/Biegung kommunziert.

Renvers

Im Bild unten ist der Spiegelsitz gut zu erkennen: die Reiterhüfte ist auf die Pferdehüfte ausgerichtet, die Reiterschultern sind auf die Pferdeschultern ausgerichtet bzw. das Pferd richtet seine Hüfte auf die Hüfte des Reiters aus und seine Schultern auf die Schultern des Reiters.

Bei aller Theorie bitte das innere Bild nicht vergessen: nur wenn der Reiter ein konkretes Bild und Gefühl von der Bewegung hat, kann das Pferd diese Bewegung in Leichtigkeit ausführen. Das innere Bild sollte immer unsere erste Hilfengebung sein, denn dadurch führen wir Mikromuskelbewegungen aus, die das Pferd wahrnimmt.

Renvers
Renvers – hier Schränken des äußeren Hinterbeines (Smokeys linkes) über des innere Hinterbein (hier Smokeys rechtes)
Schulterherein

Folgendes Bild – Spanischer Schritt: für Smokey ist der Spanische Schritt eine gute Übung um die Schulter zu heben und frei zu machen. Smokey tendiert mit seiner Aufmerksamkeit gelegentlich Richtung Boden. Der Spanische Schritt hilft ihm sowohl geistig-mental als auch körperlich nach oben zu denken und zu fühlen. Dabei ist es überhaupt nicht schlimm, dass sein Kopf dabei etwas hoch kommt. Smokey tut diese Übung so gut, er fühlt sich stolz und groß und bewegt sich dann auch so.

Bitte beim Spanischen Schritt immer darauf achten, dass die Hinterbeine mitkommen. Lieber nur jeden zweiten Schritt eine Erhebung verlangen und dafür eine fließende Vorwärtsbewegung erhalten.

Spanischer Schritt

Und wozu das alles……

1. weil es Pferd und Mensch Freude macht 🙂

2. weil es das Pferd körperlich gesund hält

3. weil es das Pferd geistig-mental fordert und fördert

4. weil es das Pferd seelisch-psychisch unterstützt, indem es Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein aufbaut

5. weil es die Bindung und das Vertrauensverhältnis und die Kommunikation Mensch-Pferd festigt

6. weil der Mensch sich in seiner Persönlichkeit weiterenwickelt, indem er sich mit mit sich selbst und mit den Themen Lernverhalten und Pädagogik auseinandersetzen muss

7. weil der Mensch in seiner Motorik, Körperkoordination und seinem Feingefühl geschult wird

8. weil der Mensch durch die Erfolgserlebnisse im Zusammensein mit den wundervollen Mitgeschöpfen Zufriedenheit und Freude erlebt

…. fällt Euch noch mehr ein? Schreibt mir Eure Beweggründe 🙂 – ich freue mich drauf!

Gymnastizierendes Reittraining mit Smokey November 2017

Beim Reittraining hatte ich endlich mal wieder die Videokamera dabei. Gnadenlos werden meine Sitzfehler dokumentiert…. ich merke deutlich, dass ich seit Monaten ohne Trainer/Reitlehrer/Beobachter reite. Doch seht selbst:

 

* Es ist ein kühler Herbsttag. Smokey und ich sind guter Laune. Smokey blickt spitzbübisch voll positiver Erwartungen und gespitzen Ohren unserer Reiteinheit entgegen. Smokey ist gebisslos gezäumt. Sobald ich die Zügel aufnehme, nimmt Smokey seine Haltung „in der Kraft“ ein. Er hebt den Widerrist und den Hals an und verlagert sein Gewicht nach hinten – bereit zum Losmarschieren. Das Zügelaufnehmen „endet“ beim leicht durchhängenden Zügel, wie auf dem Bild wunderbar zu sehen ist. Niemals darf Druck oder Zug am Zügel entstehen.

Smokey und ich

 

* Jedes Training -egal ob vom Boden oder vom Sattel aus- beginne ich mit Schulterherein. Diese Übung macht das Pferd geschmeidig und aufmerksam.

Hier reite ich einhändig, die Zügel in der rechten (äußeren) Hand. Die Gerte in der linken Hand.

Auf den Fotos zum Schulterherein werden Spannungen meinerseits im Oberkörper-Schulter-Bereich sichtbar. Hier werde ich künftig besser darauf achten, die Gertenhand nicht in der Schulter hochzuziehen. Ich konzentriere mich darauf, dass meine Schultern sanft ohne Spannung auf gleicher Höhe „hängen“. Mein Rücken ist dabei aufgerichtet, der Schulter-Arm-Bereich entspannt. Wenn ich die Gertenhand bewege dann lediglich aus dem Handgelenk oder maximal aus dem Ellenbogen. Die Schulter bleibt stets in entspannter Position. Der Pferdekopf bleibt in etwa vor der Brust und wird nicht zu weit nach innen genommen.

Obwohl mein Sitz und meine Hilfengebung zu wünschen übrig lassen, bewegt sich Smokey freudig-geschmeidig mit aktivem Hinterbein auf der Volte im Schulterherein. Er weiß, dass ihm diese Übung gut tut und er hat sichtlich Freude daran.

Schulterherein auf der 6m Volte
Schulterherein auf der 6m Volte

 

* Auf den folgenden Fotos (Travers) ist sichtbar, dass ich mit zuviel Körperspannung reite. Ich bin fest in der Hüfte und fange an zu schieben, dadurch gerate ich mit dem Sitz in Richtung äußere Sattelkante. Mein inneres Bein strecke ich verkrampft weg. Mein äußeres Bein ziehe ich hoch und nach hinten. Da tröstet auch mein fröhliches Lächeln wenig….

Im Travers werde ich künftig besser darauf achten:

  • mit lockerem Hintern/Hüftbereich und entspannten Beinen in Bewegungsrichtung zu sitzen. (nicht klemmen, nicht schieben, nicht drücken!)
  • die innere Hüfte vorzunehmen
  • das äußere Bein gerade und vorne am Gurt zu belassen. (nicht hochziehen und nicht nach hinten nehmen!). Treiben nur bei  Bedarf und im richtigen Moment. Stichwort: Timing der Hilfengebung!
  • das innere Bein nicht wegzustrecken, sondern locker hängen zu lassen. Bei Bedarf  signalweise treibend einwirken, um das Vorwärts zu unterstützen
  • Hilfen nur unterstützend einzusetzen! Stichwort: Auslassen der Hilfen! => der Sitz des Reiters gibt die Bewegung vor – das Pferd handelt selbstständig ohne mit Hand oder Bein belästigt zu werden
Travers / Kruppeherein rechtsherum
Travers / Kruppeherein rechtsherum

* Für die Schrittpirouette gelten die gleichen Regeln wie für das Travers. Im Grunde ist die Schrittpirouette ein Travers um das innere Hinterbein herum.

Ich achte also auf:

– einen lockeren Sitz mit Schwerpunkt in die Bewegungsrichtung (bei der Pirouette mehr nach hinten als im Travers)

– „lange“ herabhängende Reiterbeine

– innere Hüfte nach vorne

– Schultern ohne Spannung auf gleicher Höhe

– treibende oder verhaltende Hilfen nur bei Bedarf und im richtigen Augenblick impulsartig

– Position des Pferdekopfes vor der Brust (nicht zu weit nach innen)

– Pferd loben

– Freuen 🙂

– Lächeln 🙂

Schrittpirouette

 

Schrittpirouette

* Sobald ich an Trab denke und meine Körperspannug kurz impulsartig erhöhe, trabt Smokey fleißig an. Hier sitze ich bei langem, entspannten Reiterbein und schöner Aufrichtung locker im Sattel. Entsprechend geschmeidig bewegt sich Smokey in der Kraft. Seine Bewegungen laufen über den Rücken, der Widerrist-Hals-Bereich ist angehoben. Smokey ist konzentriert und aufmerksam.

Trab

* Trab auf der Volte ist eine sehr anstrengende Übung. Das Pferd benötigt Kraft aus der Hinterhand um sich aufzurichten und Koordinationsfähigkeit um sich auszubalancieren. Smokey gerät hier leicht in Schräglage. Ich touchiere ihn gerade mit der Gerte an der Außenseite, um ihn an seine äußere Schulter zu erinnern.

Im Trab auf der 6m Volte

* Beim folgenden Bild (Trab auf der Volte) sieht man deutlich, dass die Zügel immer leicht durchhängen (Zügelführung einhändig in der äußeren Hand). Das Pferd sollte nie mit dauernder Zügeleinwirkung belästigt werden. Sobald das Pferd „in der Kraft“ ist, lasse ich von jedem Zügeleinsatz ab. Auch sichtbar ist Smokeys Konzentration auf seinen Körper, er ist mit seiner Aufmerksamkeit ganz bei sich und damit auch bei mir.

Trab auf der Volte

 

* Wenn ich das Pferd im Stehen „sammeln“ möchte, kann ich im Stand eine „Parade“ geben. Bitte vergleicht Bild 1 und Bild 2: ich sammle mich selbst und verlagere mein Gewicht (ohne jegliche weitere Hilfe) im Sattel nach hinten. Daraufhin schiebt Smokey sein Körpergewicht über die stehenden Hinterbeine rückwärts. Smokey gibt in den Hanken nach und beugt die Gelenke der Hinterhand. Sein Rücken wölbt sich, die Vorderhand wird leichter. Dabei ist er voll konzentriert. Die Hinterbeine bleiben am Platz stehen, ein Vorderbein setzt Smokey einen Schritt zurück. Diese Übung ist sehr hilfreich, um dem Pferd eine Balanceverschiebung nahe zu bringen. Diese Lektion ist für jedes Pferd sinnvoll und hilfreich. Erarbeitet wird diese Übung – wie jede andere Übung auch – am Besten am Boden.

Parade im Stehen 1
Parade im Stehen 2
Parade im Stehen animiert

=> Resümee

Ich achte künftig besser auf meinen Sitz und meine Hilfengebung. Nur wenn ich konsequent bei  Reaktion des Pferdes die Hilfen aussetze und lobe, erhalte ich ein zufriedenes Pferd. Wenn ich merke, dass ich mich verspanne, nehme ich meine Erwartungshaltung raus und konzentriere mich auf meinen Atem. Ein verspannter Sitz führt zu einem verspannten, klemmigen Pferd. Nur wenn ich selbst geschmeidig bin, kann sich mein Pferd geschmeidig bewegen.

 

Bitte entschuldigt die schlechter Qualität der Bilder, wie erwähnt wurden die Bilder aus einem Video ausgeschnitten.

Ich kann nur jedem Reiter raten, sich regelmäßig schulen zu lassen oder sich selbst mittels Foto/Video zu schulen, bzw. zu kontrollieren. Nicht nur beim Reiten auch bei der Bodenarbeit.

Ich werde die Videokamera demnächst sicherlich wieder öfters mit in den Stall nehmen. Denn es schleichen sich so schnell  Sitzfehler ein….. und dann fühlt es sich „richtig“ an, obwohl es „falsch“ ist. Im schlimmsten Fall gewöhnt sich das Pferd an unsere „Fehler“ und wir müssen nachher „umschulen“.

In diesem Sinne: Niemand ist perfekt – Übung macht den Meister 🙂

Und was natürlich immer Hauptziel ist – bitte drandenken: die Freude am gemeinsamen Miteinander !! 🙂 Ohne Freude ist alles nichts!

Kurs bei Sabine Oettel mit Wolfgang und Christin Krischke 12.-13. August 2017

Am 12. und 13. August hatte ich wieder das Vergnügen einen Kurs mit Wolfgang und Christin Krischke bei Sabine Oettel in Wendlmuth als Theorieteilnehmerin zu besuchen. Diesmal war das Thema „Ran an den Galopp“. Dieses Thema ist besonders für fortgeschrittene Reiter interessant, sämtliche Galopparten und Figuren, die ich sonst nur aus den Abbildungen von Stichen der alten Meister kannte, durfte ich nun in Bewegung sehen, z.B. Mezair, Pessaden und vieles mehr. Das Wochenende war mehr als faszinierend! Bilder findet Ihr bei Interesse unter dem Facebook-Account von Sabine Oettel – Akademische Reitkunst.

Sabine Oettel mit Wolfgang und Christin Krischke

Pferdegymnastik und Hindernisstrail 16.07.17

Pferde-Wohlfühlgymnastik 🙂

Smokey vor der Brücke. Das konzentrierte Stehen vor dem Hindernis ist wichtig. Smokey und ich sammeln uns für die Herausforderung.
Langsam Schritt für Schritt erklimmt Smokey die Brücke. Es handelt sich um verschiedene Untergründe: Plane – bunter Teppich – blanke Holzlatten. Smokey hätte es leichter, wenn ich die Zügel deutlicher nachgeben würde, damit er mit der Nase weiter nach vorne-unten käme.
Voller Konzentration und innerer Ruhe steht Smokey auf der Brücke und holt sich seine verdiente Belohnung ab. Größte Belohnung ist für ihn allerdings meine Freude und mein Stolz – er wächst geradezu einige Zentimeter. Für Smokey sind solche Übungen nicht leicht, da er immer wieder unsicher ist und an sich selbst Zweifel hat. Umso wichtiger ist es, gemeinsam mit dem Pferd Herausforderungen mit viel Zuspruch und Motivation zu bewältigen. Immer in dem Rahmen, der für das Pferd in der Wohlfühlzone liegt.

Besonders vom langsamen Gehen, Schritt für Schritt profitieren Pferde wie Smokey sehr. Durch das bewusste Schreiten fühlt er in seinen Körper hinein und koordiniert jede Bewegung einzeln. Das bewusste Fühlen und Wahrnehmen des eigenen Körpers ist Grundlage für jede „gute“ Bewegung und ganz besonders für das SELBST – BEWUSSTSEIN des Pferdes. Je mehr Körpergefühl das Pferd entwickelt, desto mehr Vertrauen in den eigenen Körper und die eigenen Fähigkeiten gewinnt es.

Mit Bedacht und Achtsamkeit steigen wir langsam die Brücke wieder herunter. Smokey hat große Freude an derartigen Herausforderungen – das steigert sein Selbstbewusstsein und sorgt für Abwechslung.

Niemals geht es darum, das Hindernis schnell hinter sich zu bringen. Das einzige was zählt, ist die Bewusstheit! Langsames Schreiten ist bei solchen Übungen das Wertvollste und Wichtigste!

Lilly
Biegeübungen und Wohlfühlgymnastik mit gebissloser Zäumung

Oft reite ich Lilly mit einer gebisslosen Zäumung: in diesem Fall dem Kolumbianischen Bosal einem einfachen, weichen Lederriemen (Nasband) nach Maß mit Lederkinnriemen.

Diese Zäumung ist ohne jegliche Hebel, eine direkte seitliche Einwirkung ist möglich und erleichtert dem Pferd das Verständnis der Hilfen. Auch ein ungebrochenes Stangengebiss ist für diese Hilfengebung geeignet – siehe auch mein Bericht über Zäumungen und Gebisse.

Meine Hände halte ich nah beieinander, als Vorbereitung für die einhändige Zügelführung. Das Pferd soll möglichst bald auf die Berührung des Zügelleders am Hals reagieren, so dass die Zügel irgendwann dauerhaft durchhängen können und ein Impuls am Kopf des Pferdes nicht mehr nötig ist.

Durch das Bewältigen von Zirkeln, Volten und engen Wendugen schult das Pferd sein Gleichgewicht und hält die Muskeln geschmeidig. Gleichzeitig wird Kraft aufgebaut. Diese Übungen sind nicht nur für den Körper des Pferdes förderlich, auch für die Psyche, da das Pferd selbstbewusster und zentrierter wird. Hier: Achter um die Hütchen

Da Lilly ein eher hektisches Pferd ist und zu fahrigen Bewegungen neigt, sind Übungen, die das Gefühl für den eigenen Körper fördern sehr wichtig. Lilly lernt, sich zu zentrieren, sowohl geistig als auch körperlich. Sie findet ihre Mitte und übt aus ihrer Mitte heraus zentriert, bewusst und kraftvoll zu agieren. Ähnlich wie im Yoga geht es nicht um die „fertige Übung“ an sich, sondern vielmehr um den Weg dorthin: das Fühlen und Wahrnehmen – und daraus das bewusste Handeln. Dass Pferde zu solch bewusstem Handeln fähig sind, berichten mittlerweile nicht nur Pferdemenschen, auch die Wissenschaft hat dies inzwischen mehrfach bestätigt. (Buchtipps: Alle Werke von Marlitt Wendt)

Schulterherein links
Schulterherein rechts
Lilly untersucht die Brücke mit den Hufen. Ich bestätige sie in ihrem Tun und feuere sie an. Sicherheitshinweis: bei beschlagenen Pferden bitte vorsichtig sein! Die Plane könnte sich zwischen Huf und Beschlag einklemmen – das kann zu Paniksituationen führen.

Seit Lilly entdeckt hat, dass „gefährliche Sachen“ nicht nur interessant sind und Abwechslung bringen, sondern auch noch ganz viel Jubel und Lob einbringen, ist sie nicht mehr zu bremsen, wenn es darum geht, neue „Monster“ zu besiegen.

Zufriedener Blick von Lilly – als würde sie sagen „Bin ich nicht supertoll“ 🙂 . Ich bin sehr stolz auf meine Lilly.

Mit jeder Herausforderung wächst nicht nur das Selbstvertrauen des Pferdes, auch die Vertrauensbeziehung Mensch-Pferd wird gestärkt und vertieft.

Und Leckerli gibt´s natürlich auch

Das Leckerli ist immer dabei – jedoch nicht so wichtig wie die echte Freude des Menschen! Nur wer mit Begeisterung lobt, wird sein Pferd damit bestätigen können.

Schritt für Schritt schreitet Lilly die Brücke entlang – nach jedem zweiten Schritt halten wir an und zentrieren uns. Lilly soll das Hindernis ganz bewusst und mit ihren Hufen fühlend überschreiten.
Noch eine Herausforderung: die blaue Plane. Lilly ist etwas unsicher, aber sie schnuppert interessiert. Natürlich wird sie mit Stimme und positiven Gedanken von mir bestätigt und ermutigt. Lilly weiß, dass sie mir vertrauen kann, dass ich alles was ich mache in ihrem Sinne tue.

Lilly ist recht schreckhaft – deshalb gehört das Vertrauenstraining von Anfang an zu unserer regelmäßigen Beschäftigung. Umso mehr Mut und Vertrauen das Pferd in sich selbst entwickelt, umso gefestigter, stolzer, zufriedener, verlässlicher und zentrierter wird das Pferd.

Für so viel Mut gibt es natürlich auch eine Belohnung für den Gaumen.
Hui…. die Plane wirbelt umher …. und Lilly steht bei durchhängenden Zügeln gelassen.
Lilly, Du bist so ein wundervolles Pferd!
… und dann kann man ja die Plane auch noch hinterherziehen …. Lilly ist aufmerksam und gelassen.

An dieser Stelle noch ein Hinweis zur Zügelführung: von Anfang an reite ich so viel wie möglich mit einer Hand bzw. mit nah beieinander stehenden Händen, um die einhändige Zügelführung für das Pferd zur Selbstverständlichkeit werden zu lassen.

… die Plane kann man auch noch während des Schreitens umherflattern lassen. Lilly wird ständig mit lobenden Worten von mir bestärkt. Sie ist dadurch mutig und gelassen.
…. Lilly lernt, dass es nicht schlimm ist, wenn die raschelnde Plane ihre Beine und ihren Bauch berührt. Alles in völliger Ruhe und immer mit durchhängenden Zügeln.
Ganz wichtig: die Pause zum Nachdenken und Nachspüren

Vieles wird erst im Nachhinein geistig verarbeitet und im Unterbewusstsein abgespeichert. Deshalb sind Pausen und kurze Trainingseinheiten so wichtig. Eine Übungseinheit darf bei einem jungen Pferd maximal 10-20 Minuten dauern. Länger ist ein junges Pferd nicht fähig sich zu konzentrieren. Wenn der Mensch mit den geistigen und körperlichen Kräften seines Pferdes verantwortungsbewusst umgeht, wird er stets ein waches, motiviertes, mitdenkendes Pferd haben, da das Pferd weiß, dass es immer mit Energie-Reserven und erhobenen Hauptes den Platz verlassen wird.

Freude auf Seiten von Pferd und Reiter. An dieser Stelle jedoch eine Bemerkung zu mir: Lilly hätte es leichter, wenn ich die Zügel ganz hingeben und mich aufrichten würde, im Moment des Fotos „hänge“ ich ihr stark über dem Widerrist.
Lilly losgelassen im Trab auf dem Zirkel. Freudige, entspannte Mimik bei Pferd und Reiterin 🙂
Trab auf dem Zirkel
Noch ein paar Worte zum Sattel: für Lilly verwende ich einen Trekker True Talent. Wirklich ein wahres Talent, nämlich in allen Richtungen verstellbar und wunderbar bequem für Pferd und Reiter. Die Reiterbeine sind ganz nah am Pferdekörper und der Reiter wird gut über dem gemeinsamen Schwerpunkt platziert.

Einige Gedanken zur Motivation: Pferde sind sehr sensibel, wenn es um die Stimmung ihres Menschen geht. Echte Begeisterung und Freude des Menschen wirkt fast immer ansteckend auf das Pferd. Meiner Erfahrung nach ist die eigene Motivation das allerwichtigste beim pferdegerechten Umgang. Nur wenn ich selbst Freude an der Sache habe, kann ich mein Pferd motivieren. Durch Begeisterung ihres Menschen wachsen die Pferde über sich selbst hinaus und entdecken neue Welten des eigenen Körpers und des eigenen Gefühls. Niemals darf es um die Lektion gehen – immer sollte es um das Pferd und sein Wohlbefinden gehen. Dann ist das Pferd motiviert und profitiert sowohl körperlich als auch geistig-seelisch vom gemeinsamen Training. Und die Motivation und Freude des Pferdes überträgt sich wiederum auf den Menschen – die Begeisterung des Menschen und die Begeisterung des Pferdes bedingen sich gegenseitig.

Buchtipp am Rande: „Jeder Gedanke ist eine Kraft“ von Nicole Künzel

Juni 2017 – Lilly Schulterherein

Die Lektion des Schulternherein auf wurde angeblich „erfunden“ vom französischen Reitmeister François Robichon de la Guérinière (1688-1751). In seinem Werk  „Reitkunst“ (1733) beschreibt er das Schulterherein als „Mittel Für und Wider alles in der Ausbildung des Pferdes“. Auch der große portugiesische Reitmeister Nuno Oliveira (1925-1989) schreibt, „das Schulterherein heile alles“ und bezeichnet es als das „Aspirin der Reitkunst“. Dabei ist besonders erwähnenswert, dass beide Reitmeister ausschließlich das Schulterherein auf vier Hufspuren als gymnastisch wertvoll erachten.

Das Schulterherein gehört zum normalen Bewegungsrepertoire jedes Pferdes. Beim freien Spiel auf der Weide ist das Schulterherein in allen Gangarten oft zu beobachten. Für mich gehört das Schulterherein deshalb zu den ersten Übungen, die das Pferd BEWUSST lernt. Durch das Schulterherein trainiert das Pferd Geschicklichkeit und Körperbewusstsein. Die Übung wirkt sowohl kräftigend-stabilisierend als auch lösend-dehnend-mobilisierend sowie versammelnd – je nach Abstellungswinkel, Aufrichtung und Tempo. Dementsprechend positiv ist der Effekt für die Psyche und das Selbstvertrauen des Pferdes (natürlich vorausgesetzt die Übung wird ohne Zwang und für das Pferd verständlich nachvollziehbar geschult). Für meine Pferde und mich beginnt und endet jede Trainingseinheit vom Boden oder vom Pferderücken aus und jeder Ausritt ins Gelände mit dem Schulterherein. Das Schulterherein ist fester Bestandteil des Aufwärmprogrammes und des Entspannungsprogrammes.

Ich kann nur jedem Reiter empfehlen, das Schulterherein mit seinem Pferd zu trainieren. Wunderbar beschrieben wird die Übung und die Hilfengebung in Jean-Claudes Racinets Meisterwerk „Feines Reiten“.

Umso mehr Pferde lernen, ihren Körper bewusst einzusetzen, umso selbstbewusster und stolzer werden sie. Wir Menschen können den Pferden dabei ein wundervoller Lernpartner sein.

 

Lilly im Schulterherein – gebisslos gezäumt

Mai 2017 Lilly´s Hufschuhe

Da das Ausreitgelände in unserer Gegend sehr steinig ist, hat nun auch Lilly Hufschuhe bekommen. Für Lea und Smokey verwende ich die Old Mac´s G2, mit denen ich bisher nur gute Erfahrungen gemacht habe. Die Old Mac G2 hat Lilly nun für die Vorderhufe bekommen. Für die Hinterhufe habe ich das Nachfolgemodell des Old Mac G2 – den New Mac ausgesucht. Die Handhabung beider Modelle ist wunderbar einfach, das An- und Ausziehen geht schnell und simpel. Die Passform ist absolut super, der Schuh schmiegt sich eng an den Huf an. Die Schuhe halten ohne zu Scheuern in allen Gangarten und bei allen Untergründen einwandfrei am Huf. Dabei sind die Schuhe absolut robust und stabil. Ich kann beide Modelle sowohl den New Mac als auch das Vorgängermodell Old Mac G2 uneingeschränkt weiterempfehlen. Lilly läuft mit den Hufschuhen – genauso wie Lea und Smokey – geschmeidig und locker.

Lilly Hufschuhe Old Mac´s G2 und New Mac

Zäumungen und Gebisse II. – Kurs Gebisskunde und Zäumungskunde mit Wolfgang und Christin Krischke bei Sabine Oettel

Passend zu meinem vor Kurzem verfassten Eintrag, habe ich am 22./23. April 2017 einen Kurs zum Thema Zäumungen und Gebisse / Zügelhilfen besucht. Wieder bei Meisterin der Akademischen Reitkunst Sabine Oettel in Wendlmuth (www.akademische-reitkunst.at) mit Wolfgang und Christin Krischke von der Fürstlichen Hofreitschule Bückeburg (www.hofreitschule.de).

Im Theorieteil ging es vor allem darum, die Wirkungen der einzelnen Zäume und Gebisse darzustellen. Auch die Zügelhilfen und noch wichtiger das Aussetzen derselben wurden besprochen.

Wieder wurde ich in der Meinung bestärkt, dass kein Pferd „die Anlehnung an das Gebiss sucht“ (vgl. Studien von Witzmann 2007) und dass ich meine Pferde in maximaler Freiheit – Auslassen der Hilfen – reiten möchte. Mein Pferd darf und soll sich in die gemeinsamen Bewegungen aktiv mit einbringen, es soll Vorschläge machen und mitdenken.

Besonders wichtig finde ich die allgemeinen Praxistipps von Christin zur Hilfengebung:

  • Mache Dir ALLE Hilfen bewusst => deutliches Hinfühlen, wie und wo wirke ich wie stark ein und warum, mit welchem Ziel
  • Versuche die Hilfen radikal zu minimieren => geht es auch ohne „Hilfe“, „Fehler“ dürfen erlaubt sein
  • Lenke mit dem Sitz, „bremse“ mit der Stimme
  • Ermittle in jeder Gangart und Lektion die Körperhaltung „in der Kraft“ des Pferdes => Zügelhilfen dienen nur noch als „Positionsgeber“ für die Hals-/Kopfhaltung mit dem Ziel des willentlich gehobenen Widerrists
  • Bedanke Dich sofort beim Pferd durch Aussetzen der Hilfen und Lob
  • Überfordere Dein Pferd nicht => nur wenige Minuten Training und langsam steigern. Wenn das Pferd zeigt, dass die Kraft ausgeht: Pause machen und Führen; Dehnen lassen nur im Stand, damit das Pferd nicht in der Bewegung auf die Vorhand kommt.
Wirkung von Gebissen und Zäumungen – Pferdeschädel
Wolfgang Krischke erklärt die Wirkung von gebisslosen Zäumungen – hier das Bosal
Christin Krischke zeigt am Pferdeschädel die Austrittsstellen der Nerven und lässt jeden Kursteilnehmer bei sich selbst im Gesicht die Nervenbahnen erfühlen
Pferdeschädel – die deutlich sichtbaren „Löcher“ sind die Austrittstellen der Nerven und damit die empfindlichsten Stellen am Pferdekopf. Im Pferdemaul sind die sog. Laden am empfindlichsten, da die Unterkieferäste an dieser Stelle nur mit einer dünnen Hautschicht bedeckt sind.
Wolfgang und Christin Krischke erklären die Auswirkungen von Gebissen und gebisslosen Zäumungen

Ich kann nur jedem Reiter empfehlen, sein Pferd bei der Wahl des Zaumes oder Gebisses entscheiden zu lassen und sich Gedanken zu machen über die eigene Hilfengebung. Denn es liegt alles in der Hand des Reiters!

Ich für mich habe wieder sehr viele interessante Anregungen mitgenommen, auch im Praxisteil als das Auslassen der Hilfen wunderbar gezeigt wurde.

Fazit für mich: Die Pferde sollen durch die Hilfen des Reiters nicht entmüdigt, sondern stattdessen befähigt werden. Das erfordert ein ständiges Bewusstmachen (!!), Lernen und Hinterfragen meiner Motivation und meiner Handlungen im Umgang mit meinen Pferden.

Zum Weiterlesen:

  • Christin Krischke „Du entscheidest! – Reiten mit gutem Gewissen“
  • Friederike Uhlig Universität Wien „Darstellung der Lage verschiedener Trensengebisse im Pferdemaul bei Einwirkung unterschiedlich starken Zügelzuges am gerittenen Pferd im Halten“
  • Kathrin Kienapfel und Holger Preuschoft „Viel zu eng! Über die Verschnallung der Nasenriemen“
  • Dr. Peter Witzmann „Wirkung von Gebissen im Pferdemaul“
  • Holger Postulart Dominique Giniaux „Osteopathie beim Pferd“

 

21. April 2017 – Lilly und die Baustellenmonster

Bei den Ausflügen mit Lilly stellen wir uns ganz bewusst verschiedenen Ungeheuern und bemühen uns, diese mit Bedacht und Gelassenheit zu bewältigen. Lilly ist, wenn sie ohne Lea und Smokey mit mir unterwegs ist, oft unsicher, hektisch und nervös. Gerade da ist es wichtig, dass der Führende Gelassenheit und Sicherheit ausstrahlt. Mit jeder positiv bewältigten Herausforderung wächst das Selbstvertrauen des Pferdes und die vertrauensvolle Beziehung Mensch-Pferd.

14.04.17 Smokey und das Flatterband

Egal wie routiniert das Pferd ist: Vertrauens- und Gelassenheitsübungen sind immer wieder wichtig und jederzeit förderlich für das Selbstvertrauen und die Beziehung Mensch-Pferd. Auch für den Reiter sind Trailübungen gut, denn so wird die einhändige Zügelführung und das Bewusstsein für den eigenen Reitersitz geschult und gefestigt.

Weiterhin bringen derartige Übungen Abwechslung und Spaß in das Training. Smokey ist konzentriert und aufmerksam. Er hat stets Freude daran, mir zu zeigen, welch mutiges, tolles Pferd er ist. Ich bin so stolz auf ihn! Danke Smokey!

 

Smokey Flatterband
Flatterband im Trab

Zäumungen und Gebisse

Auf eine Frage in meinem Gästebuch hin, habe ich mich entschlossen, dem Thema Zäumungen und Gebisse einen eigenen Beitrag zu widmen. Das habe ich bisher vermieden, da viele Reiter das Gebiss selbstverständlicherweise und oft unbewusst als Zwangsmittel benutzen. (Jeder kann sich selbst mittels einer Zugwaage prüfen, die zwischen Zügel und Gebiss eingeschnallt wird, diese Gewichtsmessgeräte gibt es mittlerweile sehr günstig.)

Dieser Artikel richtet sich demnach an verantwortungsbewusste, denkende und fühlende Pferdemenschen!

Wie immer stellt dieser Artikel einen Erfahrungsbericht von mir ganz persönlich dar ohne Anspruch auf Vollständigkeit und ohne Allgemeingültigkeit.

Jedes Pferd ist ein Individuum und jeder Reiter muss selbst herausfinden, welche Zäumung die richtige Lösung für ihn und sein Pferd ist.

 

Lange Zeit war ich abgeneigt von jeder Art von Gebissen. Meine Erfahrungen sowohl im Freizeitreiterbereich als auch bei den FN sowie den Westernreitern hatten mir gezeigt, dass die wenigsten Pferde ihr Gebiss mochten und dass dieses oft als Zwangsmittel verwendet wurde.

Ich machte mich deshalb auf die Suche nach einer gebisslosen Alternative. Von Bosal über Nasband über mechanische Hackamore über Seilzaum über LG-Zaum und vieles mehr habe ich so alles ausprobiert, was die Literatur und der Markt hergab. Immer mit einem Horchen ins Pferd hinein…

Viele Fotos auf www.meinPferdetraum.de zeigen noch diese Phase des Probierens. Hängengeblieben bin ich bei einem einfachen Ledernasband, das ich jeweils für Lea und Smokey in einer Sattlerei maßanfertigen ließ. Damit liefen Lea und Smokey zufrieden, die Wirkungsweise ist direkt und einfach. Ähnlich dem kolumbianischen Bosal.

Ein Einschnitt in meiner Glaubensfrage der gebisslosen Zäumungen entstand, als mir unsere Pferdephysiotherapeutin riet, für Smokey ein Gebiss zu verwenden und Abkauübungen zu machen. Smokey hatte immer wieder Verspannungen im Kieferbereich und dadurch auch im Genick bis in den Schulterbereich hinein. Anfangs machte ich die Übungen nur zögerlich und immer nur vor dem Reiten. Während dem Reiten schnallte ich kein Gebiss ein oder das Gebiss nur „blind“, indem ich daran keine Zügel befestigte, sondern die Zügel nach wie vor in die gebisslose Zäumung einschnallte.

Damals kam ich bereits zu der Einsicht, dass ein Gebiss durchaus positiv für ein Pferd sein kann, da Smokey mit Freude sein Gebiss aufnahm und die Entspannungsübungen deutlich genoss.

Immer noch war ich allerdings weit davon entfernt ein Gebiss zum Reiten oder zur Bodenarbeit zu benutzen. Meine Abneigung vor diesem Stück Metall war einfach zu groß.

Das sollte sich ändern als ich meine Reitweise änderte. Ich kam weg von der Art und Weise das Pferd mit den Hilfen einrahmen zu wollen. Stattdessen fing ich an das „Trennen und Auslassen der Hilfen“ zu praktizieren. Bei dieser Art der Reitweise (in Anlehung an die französische Legerete und/oder der altcalifornischen Buckaroos) ist das Gebiss da um das Pferd im Kiefer zu entspannen.

Um dies zu verstehen und auch gefühlsmäßig zu akzeptieren brauchte ich wieder ein Zeit lang…. und es kam mir eine Erfahrung am eigenen Leib dazu.

Bei einem Zahnarztbesuch wurde festgestellt, dass ich nachts mit den Zähnen knirschte und dass dadurch bereits mein Unterkieferknochen Schäden aufwies. Ich bekam eine Beissschiene für nachts und es wurde mir empfohlen in Situationen, in denen ich mich konzentrieren muss (denn da biss ich auch die Zähne zusammen und knirschte) Kaugummi zu kauen oder wie ein Fisch beim Atmen den Kiefer auf und zu zu klappen, um die Kiefermuskulatur und damit auch den Nacken zu entspannen.

Leider war ich nicht konsequent genug mit den Anweisungen des Arztes weshalb ich eine Entzünung am (überreizten) Gesichtsnerv bekam sowie eine Verhärtung der Muskulatur im Nacken. Über Krankengymnastik und verschiedene Therapien konnte ich das zum Glück wieder gut auskurieren.

Und seitdem habe ich verinnerlicht: wenn ich mich verkrampfe – dann sanft den Mund auf und zu bewegen. Dadurch entspannt sich der Kiefer sowie der Nacken und damit der gesamte Rücken.

Soviel zum Ausflug in die menschliche Anatomie…. ;-). Jedenfalls kam ich zu jener Zeit und zu den Erfahrungen, die ich am eigenen Leib spürte zu der Überzeugung, dass ein Gebiss dem Pferd wahrlich gute Dienste leisten konnte und die Suche nach dem richtigen Gebiss begann.

Darüber könnte ich wohl eine eigene Forschungsarbeit schreiben, da ich über 20 Gebisse ausprobiert habe. So manches Exemplar ist auf den Fotos auf meiner Webseite festgehalten.

Ich möchte an dieser Stelle nochmal betonen, dass sich meine nachfolgende Empfehlung an Menschen richtet, die NICHT in sog. Anlehnung reiten, die ihr Pferd NICHT ans Gebiss treiben, die ihr Pferd NICHT mit der Gewalt eines Gebisses einschüchtern, sondern NUR an jede, die einfühlsam und ohne Dauerkontakt mit diesem „Werkzeug“ umgehen. Natürlich ist es notwendig, dem Pferd vorher die Wirkung des Gebiss zu zeigen. Mit Hilfe von Bodenarbeit, etc. Auch der Reiter muss seine Fingerfertigkeit und sein Feingefühl trainieren, um sanft einwirken zu können. Nie darf das Pferd Schmerzen durch eine ungeschickte Hand empfinden!

Bei Lilly verwende ich das Gebiss derzeit zusammen mit dem Kappzaum – also mit vier Zügeln. So kann ich anfangs die Wirkung kombinieren und dem Pferd das Verstehen vereinfachen. Es versteht sich: Niemals darf am Gebiss geruckt oder gezogen werden! Weiterhin reite ich auch oft komplett gebisslos mit einem einfach Nasband (Kolumbianisches Bosal).

Ich verwende mittlerweile nach vielen Experimenten (DANKE Lea und Smokey für Eure Geduld!!) für alle drei Pferde ein Mullen Mouth Gebiss. Das ist eine ungebrochene Stange ohne sog. Zungenfreiheit mit Baucher-Aufhängung.

Beispiel Trense Mullen Mouth Stangengebiss mit Oberbaum (Baucher – Aufhängung)

Dieses Gebiss gibt es auch mit Hebelwirkung sprich Unterbaum (das Pelham oder die Fahrkandare entsprechen dieser Art von Gebiss).

Beispiel Fahrkandare Postkandare Mullen Mouth (auch erhältlich in Ausführungen von Pelham oder Kimblewick)
Beispiel Mullen Mouth Western Bit mit Ober- und Unterbaum

Das Gebiss (egal ob mit oder ohne Unterbaum) liegt durch die Aufhängung mittels Oberbaum ruhig, präzise und immer richtig herum im Maul des Pferdes.

Bitte auf die Wahl der richtigen Größe (Maulbreite des Pferdes) achten. Das Gebiss sollte so dünn wie möglich sein, um möglichst wenig Platz im Maul zu gebrauchen. Es sei auch noch erwähnt, je länger der Unterbaum ist, desto langsamer wirkt das Gebiss, da der Hebel viel länger ist.

Dadurch dass das Gebiss nicht gebrochen ist, wirkt es bei Kontaktaufnahme lediglich auf den fleischigen Muskel Zunge oder bei aufwärtsführenden Zügelhilfen in Richtung der flexiblen Maulwinkel auf das Pferd ein.

Wie gesagt wir reiten OHNE Anlehnung an das Gebiss, deshalb erfolgt auch kein Dauerquetschen der Zunge, sondern lediglich ein Impuls der das Pferd veranlasst das Maul zu öffnen – mehr nicht! Stellung und Biegung werden immer im Vorfeld über den Kappzaum, bzw. eine gebisslose Zäumung erarbeitet. Das Gebiss wird immer nur kurzzeitig impulsartig verwendet. Niemals mit Dauerzug.

Die Hilfengebung mit den Zügeln (nicht mit dem Gebiss!) erfolgt ansonsten am Pferdehals anliegend (vgl. auch die Ausführungen der Wirkungen der Zügel nach Jean-Claude Racinet). Natürlich muss sowohl das Pferd als auch der Reiter die Bedeutung und den Umgang mit den Hilfen erst erlernen.

Die Hilfen sind immer dazu da einen Zustand zu verändern oder herbeizuführen, niemals um einen Zustand aufrechtzuerhalten.

Ein gebrochenes Gebiss wirkt immer auf die empfindlichen fleischlosen Laden des Pferdes. Dass dies der empfindlichste Teil des Pferdemaules ist kann Jeder -bitte vorsichtig!- selbst ausprobieren. Auch Gebisse mit sog. Zungenfreiheit berühren bei Einwirkung die empfindlichen Laden des Pferdes.

Fazit: Mit einer Stange kann ich also die schmerzempfindlichen Laden des Pferdes schonen und so auf das Pferd einwirken, dass das Pferd erinnert wird, durch kurzzeitiges leichtes Öffnen des Maules, seinen Kiefer und damit sein Genick zu entspannen. Weiterhin ist eine seitwärtsführende Hilfe möglich und für das Pferd logisch nachvollziehbar und verständlich.

Und so lernen Pferde tatsächlich ihr Gebiss zu lieben, weil es ihnen Wohlgefühl und Entspannung verschafft. Immer vorausgesetzt, der Reiter geht mit Feingefühl und der richtigen „Technik“ ohne Dauerkontakt an die Ausführung.

Das alles mag sich für Reiter, die noch nicht mit Reitweisen und Zäumungen „geforscht“ haben, ulkig anhören….. aber wie gesagt: probiert es aus und lasst Euer Pferd entscheiden 🙂 ! Zum Erarbeiten des Gebissverständnisses von Pferd und Reiter möchte ich die Bücher und Veröffentlichungen von Jean-Claude Racinet und Pascale Bertier-Herzog empfehlen.

Smokey und ich in mentaler „Anlehnung“ horchend und fühlend

 

Lea und ich in feinem Kontakt beim Volte-Verkleinern. Stellung und Biegung werden über den Sitz des Reiters kommuniziert nicht über das Gebiss.
Lilly mit vier Zügeln. Ein Paar Zügel eingeschnallt in der Stangen-Trense ein weiteres Paar im Semikappzaum.

Da dieser Bericht auf keinen Fall eine „Werbebotschaft“ für Gebisse werden soll, sondern lediglich ein Erfahrungsbericht, möchte ich nochmal auf die gebisslosen Zäumungen zurückkommen, die ich nach wie vor sehr gerne für alle meine Pferde verwende.

Ich bin nach wie vor ein Befürworter der gebisslosen Zäumungen.

Mein Favorit ist wie gesagt ein einfaches Nasenband aus Leder, das ich in den normalen Zaum einschnalle. Mit dieser Ausführung bin ich bzw. sind meine Pferde sehr zufrieden. Vermieden werden sollten meiner Erfahrung nach alle Zäumungen, die das Maul des Pferdes bei Kontakt zupressen. z.B. die mechanische Hackamore oder diverse Erfindungen im modernen Reitsport bei denen die Zügel überkreuz einwirken. Wie wir nun wissen, ist es ganz wichtig, zur körperlichen und mentalen Entspannung des Pferdes, dass das Pferd das Maul öffnen kann. Deshalb darf auch der Kappzaum niemals zu eng geschnallt werden.

Es sei auch nochmal daran erinnert, dass ein gebissloser Zaum nicht unbedingt sanfter wirkt als ein Gebiss.

Alles liegt im wahrsten Sinne der Worte in der Hand des Reiters!

Lilly mit Nasband – Kolumbianisches Bosal – Lederriemen nach Maß mit Kinnriemen eingeschnallt in ein normales Trensenkopfstück

 

 

Ergänzung 20. April 2017 aufgrund einer Nachfrage:

Das Billy-Allen-Bit wirkt ähnlich und genauso sanft und präzise wie eine Mullen-Mouth-Stange. Durch die starre Verbindung der beiden Gebisshälften des Billy-Allen-Bit knickt das Gebiss nicht ab und somit kann das Gebiss die Zunge und die Laden des Pferdes nicht einquetschen. Lediglich die unabhängig voneinander drehbaren Gebisshälften des Billy-Allen-Bit haben etwas gemeinsam mit einem gebrochenen Gebiss. Ansonsten wirkt das Billy-Allen-Bit wie eine Stange – siehe Beschreibung weiter oben….