Mein Weg mit den Pferden

Neukirchen im Oktober 2005

Ich bin am 25. April 1979 in der schönen Oberpfalz geboren. Seit ich denken kann, begeistern mich Tiere, insbesondere Pferde. Ich bin zusammen mit meinen Eltern und meinen Brüdern mit Katzen und anderen Haustieren auf einem ehemaligen Bauernhof aufgewachsen – und seit ich laufen kann, drängte es mich zu den Pferden. Meine Eltern fuhren deshalb mit mir oft zu einem Ponyhof. Dort konnten die Ponys von den Eltern der Kinder im Gelände einen Spazierweg geführt werden. Obwohl meine Mama Angst vor Pferden hatte und zudem eine Pferdehaarallergie, begleitete sie mich zusammen mit meinem Papa beim Ponyreiten. Für das Führen des Ponys war mein Papa zuständig, der von Anfang an ein Gespür für Pferde hatte. Meine Brüder hatten und haben (leider) nicht viel Interesse an Pferden, sind jedoch nicht von den samtenen Fellnasen abgeneigt. Die Tage mit meinen Eltern auf dem Ponyhof habe ich in schöner Erinnerung.
Meinen ersten „richtigen“ Reitunterricht im englischen Reitstil hatte ich ab meinem 6. Geburtstag regelmäßig. Meine Eltern suchten einen qualifizierten Reitlehrer mit Ausbildung (Trainerschein), denn sie wollten mich gut aufgehoben wissen. Ich sollte „vernünftig“ etwas lernen und dabei gut betreut sein. Die Pferde in der Reitschule waren in Boxen, zum Teil in Ständern untergebracht, das galt leider als normal.
Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie mir möglich machten zur Reitschule zu gehen, obwohl meine Mutter nach wie vor Angst vor Pferden und Angst um mich hatte und obwohl die Reitstunden viel Geld kosteten und für meine Eltern jeder Samstag Nachmittag „verplant“ war, auf Grund der langen Anfahrtszeit zur Reitschule.
Die Reitschule habe ich allerdings in weniger guter Erinnerung. Ich genoss das Zusammensein mit den Pferden, aber der Reitunterricht war sehr streng. Der Ton war laut und forsch, ich hatte oft Angst, das ging soweit, dass ich vor dem Unterricht Bauchschmerzen und Durchfall hatte. Das verheimlichte ich so gut wie möglich vor meinen Eltern, denn ich wollte ja weiterhin Reiten gehen dürfen. Mit meiner Vorstellung vom Reiten hatte die Zeit in der Reitschule wenig gemeinsam. Ich war mir von Anfang an bewusst, dass ich viel lernen musste, aber das Wichtigste für mich war, mit den Pferden zu sein. Damals war mein großer Traum, dass ich in freier Natur mit meinem Freund Pferd spazieren Reiten konnte.
Stattdessen lief es so ab. Nach einiger Zeit strengem Reitunterricht Runde um Runde in der Reitbahn, durfte ich in der Gruppe ins Gelände reiten und Springstunden standen auf dem Programm. Eigentlich wollte ich nie Springen lernen, aber es war standardmäßig vorgesehen. Als Kind traute ich mir keine Widerworte gegen den strengen Reitlehrer sprechen und meine Eltern wollte ich nicht darum bitten. So erklärte ich mich damit einverstanden, hatte aber nie Freude am Springunterricht. Kurze Zeit später kamen kleine Vereinsturniere, bei denen ich immer sehr gut abschnitt. Doch wirklich Spaß machte mir das nicht, ich sehnte mich so sehr nach einer richtigen Freundschaft mit dem Pferd, ich wollte das Tier nicht zwingen, sich meinen Wünschen unter zu ordnen, das Pferd sollte genauso viel Freude am Reiten haben wie ich – ich dieser Reitschule war das jedoch bis zum Schluss nicht möglich. Die meisten Leute dort, inklusive Reitlehrer, hatten die Einstellung, das Pferd müsse sich uns Menschen fügen, wir wüssten schließlich, was gut ist für das Tier – so sollte es eben gehorchen, mit welchen (Zwangs-) Mitteln auch immer. Hier möchte ich auch noch erwähnen, dass in der Reitschulzeit die meisten Unfälle passierten, einfach deshalb, weil die Pferde keinerlei Bezug zu den Reitern hatten und weil sie ständig Vermeidungsverhalten zeigten. Ich brach mir im Alter von 10 Jahren durch einen Sturz so schwer den Arm, dass ich ein ganzes Jahr mit dem Reiten aussetzen musste. An den Tag des Unfalls kann ich mich noch gut erinnern. Es war ein stürmischer, verregneter Novembertag. Der Reitlehrer hatte mit der Gruppe einen Geländeritt vorgesehen. Im Wald wollte er die Militarystrecke mit seinem Pferd durchreiten, wir anderen sollten am Rand warten. Die Pferde waren auf Grund des Windes und des platschenden Regens sehr nervös und wollten nicht recht stehen bleiben. Als neben mir und meinem Pferd Rebecca ein Ast vom Baum krachte, rannte Rebecca kopflos den steilen Hang hinunter, direkt auf einen Baum zu. Ich wollte sie rechts daran vorbei lenken. Im letzten Moment schlug sie einen Haken nach links, ich donnerte gegen den Baumstamm und fiel zu Boden. Ich war fast bewusstlos vor Schmerz, mir war schwindelig und übel. Der Reitlehrer rief mir aus der Ferne zu, ich solle aufstehen und mein Pferd einfangen. Ich tat wie geheißen. Ich sagte dem Reitlehrer, dass ich große Schmerzen habe und meinen rechten Arm nicht bewegen könne. Er stecke meinen Arm in meine Jacke, die er halb öffnete, half mir aufs Pferd und ließ mich weiter reiten. Ich hatte Schwierigkeiten mich auf dem Pferd zu halten, mir war nach wie vor schwindelig und ich hatte große Schmerzen. Als wir nach über einer halben Stunde auf dem Reiterhof ankamen (der Reitlehrer wählte nicht den direkten Weg nach Hause, schließlich sollten die anderen Mitreiter ihre Reitstunde voll auskosten können), fiel ich fast bewusstlos vom Pferd. Eine andere Reitschülerin trug mich ins Reiterstübchen und legte mich aufs Sofa. Als ich wieder zu mir kam, rief ich meine Mutter an. Sie holte mich zusammen mit meinem Vater ab und wir fuhren ins Krankenhaus. Dort bekam ich einen schlimmen Schüttelfrost und Krampfanfälle. Nach dem Röntgen, als sich herausstellte, dass mein Oberarm mehrfach gebrochen und zersplittert war, bekam ich ein Korsett angezogen, dieses musste ich nun die nächsten Monate tragen. Das war bisher die schlimmste Zeit meines Lebens. Ich litt in dieser Zeit große Schmerzen, nicht nur durch den Splitterbruch, sondern auch durch das Korsett, denn ich bekam darunter offene Stellen. Nach fast einem dreiviertel Jahr begannen die Reha-Maßnahmen. Auch das war eine anstrengende Zeit.
Sobald ich meinen Arm halbwegs bewegen konnte, war ich wieder eifrig bei den Reitstunden. Während der Zeit, die ich ohne Reiten verbringen musste, habe ich jedes Pferdebuch gelesen, das mir unter die Augen kam. Jede Information über das Wesen Pferd saugte ich wahrlich auf, ich kannte die Ursprünge des Pferdes, sämtliche Pferderassen, Reitweisen, Haltungsbedingungen, Erziehungsmethoden, Krankheiten, Verhalten, einfach alles – aber eben hauptsächlich nur in Theorie aus Büchern.
Als ich 12 Jahre alt war, kam ich zu meinem ersten Pflegepferd: Warmblutwallach Jurant, liebevoll von mir Juri genannt. Juri lebte in unserem Ort, damals schon in einer Außenbox mit Paddock und angrenzender Weide zusammen mit seinem Pferdekumpel. Endlich durfte ich erfahren, wie pferdegemäße Haltung aussieht. Mit Juri lernte ich zum ersten Mal, was es heißt, einem Pferd zu vertrauen, und ganz und gar für dieses Tier da zu sein. Bereits nach einigen Tagen begrüßte mich Juri wiehernd, ich war jeden Tag bei ihm. Es war eine herrliche Zeit, endlich empfand ich Freude beim Reiten und das Pferd sichtlich auch. Mit Juri habe ich viel erlebt und viel gelernt. Er war ein großartiger Partner und er genoss die spielerisch verbrachte Zeit mit mir sehr. Leider wurde Juri nach einem Jahr verkauft – in diesem einen Jahr hatte ich jedoch mehr über Pferde gelernt als in 7 Jahren Reitschule…
Nach wie vor hatte ich einmal die Woche Reitunterricht in der Reitschule, nebenbei kümmerte ich mich um verschiedene Pferde, die ich sowohl im Gelände wie auch auf dem Reitplatz ritt. Das mit den Pflegepferden war so eine Sache: ich suchte ja nach einer innigen Bindung mit dem Pferd, nur war es oft so, dass das liebe Tier irgendwann verkauft wurde oder den Stall wechselte. Ich war sehr traurig darüber und ich kann bis heute nicht verstehen, warum manche Menschen ihre Pferde wechseln „wie ihre Unterwäsche“.
Mit der Quarterhorse-Stute „Rosie“ (Bear´s Rosebud) kam ich zum Reiten im Westernstil. Leider waren die Westernreitställe mitsamt Westernreitern auch nicht gerade „pferdefreundlicher“. Auf den ersten Blick wurde zwar mit „leichten Hilfen“ geritten, aber auf den zweiten Blick wurden die Zwangsmaßnahmen sichtbar (scharfe Gebiss- und Hackamorezäumungen mit langen Anzügen, hartes Bosal, Tie Down, Sporen, Zügel-Enden verwendet als Peitsche, usw.). Die Pferde wurden auch im Westernreitstall in Boxen gehalten.
Als meine Pflegestute „Rosie“ verkauft wurde, war ich so traurig und verzweifelt, dass ich das „Reiten“ aufgab. Damals war ich 16 Jahre alt. … Ich wollte nicht Reiten, ich wollte Erleben mit dem Pferd. Reiten hätte ich überall gekonnt, der Reitstall bot mir an, die Schulpferde kostenlos zu reiten – zu „trainieren“… nein, das wollte ich ganz bestimmt nicht, die armen Tiere zu Reitrobotern heran zu „trainieren“. Ich war enttäuscht von der gesamten Reiterwelt und zog mich zurück. Ich schloss das Thema Pferd ab, war wohl doch nichts für mich…

Na ja, aber so einfach war das dann doch nicht – das Schicksal hat es anders eingefädelt – zum Glück!
Nachdem ich ungefähr ein halbes Jahr lang das Thema Pferd „eingegraben“ hatte, rief mich eine Bekannte an, sie habe da so ein Pferd entdeckt, um das sich keiner kümmert – das war LEA.
Lea war damals auf einem heruntergekommenen Bauernhof in provisorischer Haltung mit mehreren anderen Pferden untergebracht. Nachforschungen meinerseits ergaben, dass dies jedoch eine erhebliche „Verbesserung“ zu Lea´s vorheriger Unterkunft war – da war sie in einem dunklen Bretterverschlag eingeschlossen gewesen, versunken im eigenen Mist. Den Bretterverschlag sehe ich noch heute deutlich vor mir, er hatte kein Fenster, vor dem oberen Teil der Tür hing ein schwerer Teppich. Im Inneren des ca. 3×3 Meter großen, nur ca. 1,80 hohen Verschlages war es stockdunkel. Knietief stand der pure Mist, der immer noch nicht entfernt war, obwohl Lea seit Wochen „ausgezogen“ war. Meine Bekannte hatte den Umzug organisiert. Die Besitzerin von Lea bekam ich nicht zu Gesicht, sie hatte anscheinend „vergessen“, dass sie ein Pferd hatte.
Ich kümmerte mich mit Freude jeden Tag um Lea und ich gewann die eigenwillige Stute sehr lieb. Anfangs hatte ich Angst vor ihr, da sie manchmal wie ein Löwe mit gefletschten Zähnen auf mich zuschoss. So lange sie auf der Weide war, war sie friedlich, nur im Stall durfte ich ihr nicht zu nahe kommen, sonst lief ich Gefahr getreten oder gebissen zu werden.
Bereits wenige Wochen nachdem ich Lea kennen gelernt hatte, sollte sie „wegkommen“, notfalls zum Schlachter.
– Da habe ich sie gekauft, das war am 09.08.1996.
Es war das einzige Mal, dass ich Lea´s Besitzerin traf, schließlich brauchte ich eine Unterschrift für den Kauf, damit die Sache rechtliche Gültigkeit hatte. Ich war sehr schockiert, diese Dame zu treffen, in ihrer Wohnung war es total verqualmt, es roch stark nach Alkohol und sah aus als hätte seit Jahren keiner mehr aufgeräumt oder geputzt. Als die Frau merkte, dass mir Lea wichtig war, verlangte sie für das eigentlich „schlachtreife“, weil sehr kranke, verwahrloste Pferd einen viel zu hohen Preis. Ich war bereit, alles zu zahlen. Niemand sollte jemals mehr Lea und mich trennen können. So schloss ich den Kauf entsprechend ab.
Ich kann mich erinnern, als ich von der Kaufabwicklung nach Hause kam, ging ich zu Lea auf die Weide, streichelte sie und sagte ihr, dass sie sich keine Sorgen mehr machen brauche, niemals mehr würde ihr jemand etwas antun und niemals mehr müssten wir uns trennen.

Lea hatte zu dieser Zeit schwere Strahlfäule, einen zentimeterbreiten offenen Riss im rechten Vorderhuf, Lungenprobleme und Lahmheit auf beiden Vorderbeinen. Zudem war sie sehr schwierig im Umgang, sie hatte offensichtlich viele schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht.
Ich wollte alles richtig machen mit meiner Lea, ich wollte ihr das schönste Pferdeleben bieten, das es gibt. Als erstes suchte ich einen passenden, artgerechten Stall für mein eigenes Pferd – ich war der glücklichste Mensch der Welt.
Ich brachte Lea in einem gepflegten Offenstall in einer Haltergemeinschaft unter. Tagsüber waren die Pferde auf dem wetterfesten Sandpaddock mit großzügigem Unterstand und gefüllter Heurundraufe, je nach Jahreszeit waren die großen Koppeln für die Pferde geöffnet. Über Nacht waren die Pferde in weiträumigen Boxen ohne Gitterstäbe untergebracht, das erleichterte die individuelle Fütterung – der Stall war spitze und sehr pferdegerecht. Mit den anderen Einstellern sowie mit der Stallbesitzerin pflegte ich ein großartiges Verhältnis. Mit der Stallbesitzerin habe ich bis heute netten Kontakt.
Ich musste viel und hart arbeiten, um mir das Geld für Lea´s Unterhalt zu verdienen. Ich hatte gerade eine Lehre als Großhandelskauffrau begonnen und musste nun am Wochenende einen Nebenjob annehmen, um mir Lea´s Versorgung leisten zu können. Jahrein-jahraus fuhr ich bei jedem Wetter mit dem Roller zum 5 km entfernten Stall. Auch als ich 18. Geburtstag feierte, konnte ich mir weder Pkw-Führerschein noch Auto leisten. Das verschob ich auf die Zukunft. Grund für meinen permanenten Geldmangel war nicht nur Lea´s Unterbringung und Versorgung, sondern vor allem die Tierarztodyssee … es stellte sich heraus, dass Lea´s Lahmheit und ihr Lungenleiden „unheilbar“ wären. Nach etlichen Versuchen (5 Jahre lang bei verschiedenen Ärzten und Kliniken), galt sie schulmedizinisch als „austherapiert“. Auch der Weg über Heilpraktiker und Homöopathie blieb ohne weit reichenden Erfolg.
Die größten Besserungen bezüglich Lea´s Gesundheit erzielte die artgerechte Pferdehaltung, Fütterung und Gymnastizierung – und Positives Denken.
Es gab Zeiten, da ging es Lea so gut, dass wir lange Spaziergänge und Ritte unternahmen und viel gemeinsam erlebten. Wenn es ihr schlechter ging, massierte, bürstete und streichelte ich sie stundenlang, Hauptsache ich war bei ihr. Es verging nicht ein Tag, an dem ich nicht bei Lea war.
Lea´s Gesundheitszustand war mal besser mal schlechter, wir machten immer das Allerbeste daraus. Mittlerweile haben wir viele Therapien und Heilmittel hinter uns und es hat sich für Lea das eine oder andere als unterstützend erwiesen, das wir nun nach wie vor anwenden, immer mit offenen Augen und Ohren, was es für bessere Therapien geben könnte. Seit mehreren Jahren haben wir einen kompetenten Tierarzt sowie eine Heilpraktikerin an unserer Seite, damit Lea´s Gesundheitszustand regelmäßig überwacht wird. Durch Lea´s umfangreiche Krankengeschichte habe ich mich tiefgründig mit Pferdegesundheit, den Zusammenhängen mit Haltung, Fütterung, Umgang, Gymnastizierung, usw. auseinander gesetzt. Ich wälzte Fachbücher und besuchte Vortragsabende sowie Seminare über Pferdeanatomie, Hufe, artgerechte Haltungs- und Fütterungsbedingungen, pferdegemäße Gymnastizierung und vieles mehr.
Lea hat mir sehr viel gelernt und sie tut es noch. Sie war nicht einfach im Umgang, ich musste neue Wege ausprobieren, mit den „normalen“ Methoden kam ich bei ihr nicht weit. Lea führte mich immer wieder an meine Grenzen, oft verließ ich verzweifelt und weinend den Stall. Sämtliche Leute rieten mir, den „kranken Gaul“, der zudem nicht mal „klar im Kopf“ wäre, zum Schlachter zu fahren. Das kam jedoch überhaupt nicht in Frage, Lea war meine Lea und wir beide würden das schon machen. Ich habe wirklich nie mit dem Gedanken gespielt, mich von Lea zu trennen, niemals, nicht ein einziges Mal.
So habe ich angefangen zu probieren. Ich lernte viele verschiedene Methoden des Pferdeumgangs kennen und traf so manchen modernen „Pferdeguru“ sowie alteingesessene Pferdeleute. Jeder hatte seine eigenen Theorien zum Umgang mit Pferden, jeder wollte Recht haben und jeder behauptete, im Sinne und der Natur des Pferdes zu handeln. Ich war offen für alles und informierte mich überall. Je nachdem, wie Lea reagierte verwarf ich die Methode oder machte auf die entsprechende Art weiter. Lea gab mir jederzeit ein ehrliches, direktes Feedback. Da ich bereit war, auf die Reaktionen von Lea einzugehen, fanden wir schließlich die „Positive Verstärkung“ als unseren gemeinsamen Weg des Lernens. Lea musste viele meiner Fehler „ausbaden“, da ich manchmal nicht gleich verstand, was richtig und was falsch war. Manchmal meinte ich, Menschen wüssten mehr über Pferde als die Pferde selbst, doch Lea überzeugte mich beharrlich und mit Nachdruck vom Gegenteil. Außerdem lernte ich zu unterscheiden, welche Umgangsweisen und Gedanken wirklich im Sinne des Pferdes waren und welche Methoden „nur“ ein Funktionieren des Pferdes bewirkten. Lea hat mir immer meine Fehltritte verziehen, mir immer wieder eine neue Chance gegeben. Sie war konsequent und nicht immer sanft mit mir – aber sie war und ist eine großartige Lehrerin.
Ich bin mit Lea so viel geistig gewachsen – ich habe mich selbst besser kennen gelernt, habe gelernt mich selbst kritisch zu beobachten – ich habe meine Minderwertigkeitsgefühle und Kontrollsüchte entdeckt und überwunden – ich habe mich getraut, Gewohntes in Frage zu stellen, neue Wege zu gehen … ich habe Lea sehr viel zu verdanken. Sie zeigte mir sehr hartnäckig, wenn ich auf dem falschen Weg war, immer und immer wieder. Ich lernte konsequent zu sein, ohne aggressiv und wütend zu werden – liebevoll zu sein, ohne zu verhätscheln – ich selbst zu sein, ohne jeden Schein. Diese Auseinandersetzung mit meinem Ich und meinen Gefühlen, war nicht immer einfach für mich. Die absolute Ehrlichkeit mir selbst gegenüber tat manchmal weh, wenn ich erkannte, dass ich aus egoistischer Motivation handelte, anstatt im Sinne meines Partners des Pferdes. Das Erkennen und Auseinandersetzen mit meinen Motivationen hat sehr viel Kraft und Konsequenz meinerseits erfordert – und es hat mich zu mir selbst geführt. Lea hat mir zu Einsicht und Erkenntnis über die wahren Werte im Leben verholfen.

Im April 1999 war der Umbau unseres Heustadels fertig, Lea durfte umziehen zu mir nach Hause.
Lea sollte natürlich nicht alleine sein, deshalb schaute ich mich nach einem Partner für sie um…
Die 7-jährige dunkelbraune Stute Tequila war ein „Scheidungsopfer“, so kam sie zu mir, das war am 25.04.1999, an meinem 20. Geburtstag. Tequila war eine schlanke, temperamentvolle, selbstbewusste Arabermix-Stute, sie hatte einen einwandfreien Charakter, war ihr ganzes Leben in einem gepflegten Offenstall untergebracht und hatte ein gutes, positives Verhältnis zu Menschen. Tequila war stets interessiert, fleißig, umgänglich und sehr liebenswert.
Aber irgendetwas fehlte – ich weiß, das klingt seltsam… Auch Tequila war nicht glücklich mit mir… irgendetwas passte nicht zwischen uns? Der besondere Funke, die gleiche Wellenlinie oder irgendetwas anderes fehlte. Und dabei wollte ich doch, dass Tequila mit mir glücklich würde.
…Das Schicksal wusste anscheinend, warum es Tequila zu mir brachte, denn über sie als Vermittler sollte ich meinen Smokey finden.
Am 31.07.1999 war ich mit Tequila auf einem Freizeit-Trailturnier, dort lernte ich Smokey kennen – der Besitzer von Smokey wollte sein Pferd verkaufen. Ich weiß nicht was es genau war, aber von Anfang an, zog mich Smokey magisch an, ich fühlte mich ihm stark verbunden. Smokey´s Besitzer hatte sich in meine Stute Tequila verguckt und fragte mich, ob wir die Pferde nicht tauschen wollten. Ich war hin- und hergerissen. Aber irgendwas in meinem Inneren ließ mich dem Tausch zustimmen. Ich besuchte Smokey´s Besitzer mit Tequila, um mich von den guten Haltungsbedingungen für mein Pferd zu überzeugen. Der Stall war pferdegerecht und prima in Ordnung. Ich ließ Tequila dort und ritt mit Smokey nach Hause.

Es bricht mir fast das Herz, wenn ich an die liebe, freundliche Tequila denke. Ich hätte niemals gedacht, dass ich einmal ein Tier – einen Freund und Mitbewohner – ein Familienmitglied weggeben würde, es macht mich heute noch sehr traurig…
Dennoch halte ich an dem Gedanken fest, dass dies eine schicksalhafte Fügung war, da bin ich mir ganz sicher, denn derartige „Zufälle“ kann es einfach nicht geben, da hat eine höhere Macht, egal ob sie Bestimmung, Schicksal oder Fügung genannt wird, die Hand im Spiel…

Seit 02.08.1999 ist Smokey bei mir und ich bin sehr glücklich Smokey an meiner Seite zu haben.

Smokey war anfangs sehr ruhig, willig und fügsam. Erst später als ich mein Feingefühl verbessert hatte, erkannte ich, dass Smokey kein ruhiges Pferd war, sondern ein gebrochenes, eingeschüchtertes, unterdrücktes Pferd. Durch Nachforschungen in seiner Vergangenheit erfuhr ich, dass er unter härtesten Bedingungen von verschiedenen Westerntrainern „gebrochen“ wurde. Viele Leute fanden, dass Smokey „brav“ und „gehorsam“ sei, doch ich spürte da noch etwas anderes: fehlendes Selbstvertrauen, nicht vorhandenes Körpergefühl, tiefe Ängste (dadurch Verspannungen/Bewegungsblockaden/Schmerzen), Schüchternheit, Beziehungsunfähigkeit …
Mit Hilfe von Lektionen, die Körperbewusstsein und Selbstsicherheit fördern, wurde Smokey zu einem gelösten, selbstverantwortlichen und verlässlichen Partner. Durch das wieder gewonnene Körpergefühl wurde Smokey´s Gesundheitszustand wesentlich besser, sämtliche Verspannungen und Bewegungsblockaden verschwanden. Sein Selbstvertrauen wuchs, er blühte innerlich und äußerlich auf.
Ich selbst lernte viel Neues mit und durch Smokey… Ich lernte, den Pferden (mittlerweile auch Menschen und anderen Lebewesen) Selbstbewusstsein zu geben, völlig auf das Pferd einzugehen – mich selbst zurück zu nehmen, um den Partner in den Vordergrund zu stellen – ich lernte „demütig“ zu sein, eine wahrhaftige Tugend. Ich verdanke Smokey sehr viel in Sachen Hingabe und Feingefühl.
Durch Smokey´s immer wiederkehrende, heftige Panikattacken hat Smokey mich außerdem gelehrt, dass „Kontrolle“ eine Illusion ist. Das war eine schwierige Lektion für mich.
Bis heute ist Smokey sehr sensibel. Negative Gedanken oder Anspannung meinerseits führen dazu, dass er sich gefühlsmäßig abwendet. Ebenso sensibel reagiert er auf Freude und Offenheit meinerseits, was unsere gemeinsame Zeit sehr bereichert.

Seitdem ich Lea und Smokey an meiner Seite habe, lernen wir miteinander und füreinander – wir wachsen miteinander und zueinander – ich möchte keine Minute mit meinen Lieblingen missen. Jeder Tag, jede Stunde, jeder Augenblick ist etwas ganz Besonderes. Ich habe meinen Traum nicht aufgegeben und es lohnt sich!!

„Niemals wird Dir ein Wunsch gegeben, ohne dass Dir auch die Kraft verliehen wurde, ihn zu verwirklichen – Es mag allerdings sein, dass Du Dich dafür anstrengen musst.“ Richard Bach

Mein Traum vom harmonischen Miteinander mit Pferden ist wahr geworden.
Es gibt immer wieder „Ego-Stolperfallen“ im Zusammensein mit Pferden. Das sehe ich als große Chance, mich selbst durch Reflektieren und Hinterfragen weiter zu entwickeln, hin zu einer offenen, toleranten, selbst-bewussten Persönlichkeit. Ich habe gelernt, dass Pferde wichtige Botschaften für uns Menschen bereithalten. Wir Menschen haben so manche Tugenden verlernt, die uns Pferde wieder nahe bringen. Dafür bin ich sehr dankbar. Ohne meine Pferde wäre ich nicht der Mensch der ich heute bin.
Meine Pferde und meine Bereitschaft, ihnen zuzuhören, helfen mir, ein klarer, offener Mensch zu sein. Wenn wir Menschen bereit sind, uns für die Botschaften der Pferde zu öffnen, können wir viel erfahren, was uns im Leben weiter bringt, uns dem Leben näher bringt.

Seit 07.08.2000 habe ich zudem einen sehr wichtigen Menschen an meiner Seite: Den Mann meiner Träume, meinen Ritter auf dem weißen Pferd: Christof
Auch in dieser zwischenmenschlichen Beziehung stehen Vertrauen und gegenseitiger Respekt im Vordergrund. Christof und ich sind sehr glücklich zusammen – wir führen eine respektvolle, verständnisvolle Beziehung. Wenn Probleme auftreten, reden wir darüber. Ich halte es für sehr wichtig, dass in einer Beziehung miteinander geredet wird, aber auch miteinander geschwiegen werden kann. Ehrlichkeit, Vertrauen und Toleranz sind für mich Grundpfeiler einer harmonischen Beziehung. Christof und ich bemühen uns, den Alltag zum Besonderen zu machen. Wir freuen uns täglich voller Dankbarkeit darüber, gemeinsam einen neuen Tag zu beginnen.
Christof macht übrigens die tollen Fotos, die auf dieser Webseite ausgestellt sind, überhaupt wurde erst durch ihn diese Seite möglich – DANKE!

„Sich lieben heißt, ein WIR zu gründen, ohne ein ICH zu zerstören.“

 

Lea steigt
Smokey