Pferdegymnastik Lilly und Smokey 18.11.17

Es ist ein typischer Novembertag: kalt und neblig. Dennoch freue ich mich auf das Zusammensein mit meinen Pferden.

Lilly im Trab. Der Wechsel durch den Zirkel im Trab ist bei unserem 15x15m Reitplatz immer wieder eine Herausforderung an die Balance des Pferdes. Deshalb wurde das Pferd im Schritt vorab gut auf diese Bewegung vorbereitet.

Wechsel durch die Diagonale im Trab
Umsitzen von links nach rechts – linken Zügel durch die Hand gleiten lassen
Trab rechtsherum – Stellung und Biegung rechts

Die Trabsequenzen halte ich kurz, damit Lilly in der Lage ist, den Rücken/Widerrist oben zu behalten. Das Pferd darf niemals ermüdet werden, sonst sackt der Rücken ab und das Pferd hängt im passiven Halteapparat, so würde jede Erschütterung bis in die Gelenke und die Wirbelsäule durchwirken. Die Muskulatur sollte langsam und mit Bedacht aufgebaut werden, damit keine Verspannungen entstehen. Durch sinnvolles Training wird das Pferd nicht nur körperlich geschmeidiger und kraftvoller, auch das Selbstbewusstsein des Pferdes wächst 🙂 .

Lilly Trab

 

Die Basis jedes Trainings sind die Seitengänge. Die Seitengänge machen den Pferdekörper sowohl beweglich als auch kräftig, das Pferd schult seine Körperkoordination und sein Gefühl für den eigenen Körper.

Das Schulterherein ist die wichtigste gymnastische Übung im Pferdetraining. Im folgenden Bild tritt Lilly gerade mit dem inneren Hinterbein (hier ihr linkes) über das äußere Hinterbein. Dabei senkt sich die innere Hüfte ab, der Rücken hebt sich.

Die Hilfengebung sollte so fein wie möglich sein: der Reiter nimmt seine eigenen Schultern nach innen und lässt seine Hüfte weiterhin in Bewegungsrichtung zeigen. Der innere Sitzbeinhöcker bleibt belastet um die Biegung des Pferdes zu erhalten. Unterstützend zur Sitzhilfe kommuniziert die äußere Hand mit dem inneren Schenkel die Abstellung und das Tempo.  Die Hüfte muss dabei wie immer locker bleiben, um die Bewegungen des Pferdes durch den Körper des Reiters hindurch gehen zu lassen. Alle Hilfen sollten nur unterstützend eingesetzt werden, niemals dauerhaft. „Gib dem Pferd die Haltung und lass es gewähren“ schreibt Nuno Oliveira – er meint damit meiner Meinung nach nichts anderes als das Aussetzen der Hilfen. Wenn das Pferd die Stellung zu verlassen droht, kann man unterstützend eingreifen, ansonsten ist das Pferd in der Bewegung frei zu lassen.

Schulterherein links

 

Die folgenden beiden Bilder zeigen Travers. Im Travers ist das Pferd in Bewegungsrichtung gestellt und gebogen. Das Pferd muss also seinen Körper dem „treibenden Schenkel“ entgegenwölben. Ein Widerspruch, wenn es vorher gelernt hat, sich um den angelegten Schenkel zu biegen….

Deshalb ist es wichtig in der Ausbildung des Pferdes, die Biegung so früh wie möglich mit dem inneren Sitzbeinhöcker (des Reiters) zu kommunizieren. Der innere Schenkel hängt locker, lang und „schwer“ am Pferdeleib herab, ggf. kann der Bügel leicht (!) ausgetreten werden. So bleibt der Schenkel für das Pferd mit „Treiben“ assoziiert. Wobei Treiben nie ein Dauerdruck sein darf. Das Timing ist entscheident.

Und dabei bitte nie vergessen: soweit ein Hinterbein untertritt, soweit muss das andere Hinterbein hinten heraus schieben und das Becken des Pferdes wird im schlechtesten Fall flach (= Gegenteil von Versammlung) ….  Ist es also sinnvoll, wenn das innere Hinterbein weit untertritt? Oder ist es sinnvoller das Pferd als ganzes wahrzunehmen und es durch abwechselnde Seitengänge/Biegungen zu ermuntern, den ganzen Körper also quasi die Linie Sitzbeinhöcker-Bug zu verkürzen und dabei beide Hinterbeine näher an den Schwerpunkt zu bringen und den Rücken zu heben…

Den Zügelhilfen kommt im Travers auch eine Bedeutung zu: der innere Zügel darf die innere Hüfte des Pferdes nicht blockieren. Deshalb ist es wichtig, dass der innere Zügel in der gedachten Verlängerung in Richtung äußere Hüfte des Pferdes zeigt. (Die Wirkungen der Zügel zum Nachlesen: Jean-Claude Racinet „Feines Reiten in der französischen Tradition der Legerete“).

Travers nach links – Schränken des rechten (äußeren) Hinterbeines über das innere Hinterbein
Travers nach rechts – Schränken des äußeren (hier linken) Hinterbeines über das innere Hinterbein

 

Im folgenden Bild nochmal Schulterherein in schöner Stellung und Biegung. Die Nase des Pferdes sollte immer vor der Brust sein, niemals darf der Kopf nach innen gezogen werden, das würde das Pferd aus dem Gleichgewicht und auf die äußere Schulter bringen. Und besonders schön: freudig aufmerkames Pferd und fröhlich-lächelnde Reiterin 🙂 (wenn auch vermummt, ob der Kälte 😉 )

Schulterherein

 

Smokey in der Traversale nach links. Schöner wäre es, wenn ich mein inneres Bein nicht so verkrampft wegstrecken würde, sondern es stattdessen nach unten in den Bügel hängen lassen würde. Das äußere Bein darf nur einwirken, wenn das Pferd stockt. Und dann nur impulsartig. Smokey führt die Übung größtenteils selbstständig aus, er ist sehr konzentriert und aufmerksam.

Traversale nach links

Folgende Bilder: Im Renvers ist das Pferd in Bewegungsrichtung gestellt und gebogen. Die Hinterbeine beschreiben einen größeren Kreis als die Vorderbeine. Auf dem Bild unten ist sehr schön zu erkennen, dass Smokeys Widerrist angehoben ist und er sich sammelt um die Ecke im Renvers geschlossen bewältigen zu können. Die Haltung des Reiters sollte -wie immer- losgelassen sein in guter Aufrichtung ohne Spannungen.

Im Spiegelsitz werden die unterstützenden Hilfen durch Hand und Beine immer weiter reduziert, bis alleine der Sitz die Bewegungsrichtung und Stellung/Biegung kommunziert.

Renvers

Im Bild unten ist der Spiegelsitz gut zu erkennen: die Reiterhüfte ist auf die Pferdehüfte ausgerichtet, die Reiterschultern sind auf die Pferdeschultern ausgerichtet bzw. das Pferd richtet seine Hüfte auf die Hüfte des Reiters aus und seine Schultern auf die Schultern des Reiters.

Bei aller Theorie bitte das innere Bild nicht vergessen: nur wenn der Reiter ein konkretes Bild und Gefühl von der Bewegung hat, kann das Pferd diese Bewegung in Leichtigkeit ausführen. Das innere Bild sollte immer unsere erste Hilfengebung sein, denn dadurch führen wir Mikromuskelbewegungen aus, die das Pferd wahrnimmt.

Renvers
Renvers – hier Schränken des äußeren Hinterbeines (Smokeys linkes) über des innere Hinterbein (hier Smokeys rechtes)
Schulterherein

Folgendes Bild – Spanischer Schritt: für Smokey ist der Spanische Schritt eine gute Übung um die Schulter zu heben und frei zu machen. Smokey tendiert mit seiner Aufmerksamkeit gelegentlich Richtung Boden. Der Spanische Schritt hilft ihm sowohl geistig-mental als auch körperlich nach oben zu denken und zu fühlen. Dabei ist es überhaupt nicht schlimm, dass sein Kopf dabei etwas hoch kommt. Smokey tut diese Übung so gut, er fühlt sich stolz und groß und bewegt sich dann auch so.

Bitte beim Spanischen Schritt immer darauf achten, dass die Hinterbeine mitkommen. Lieber nur jeden zweiten Schritt eine Erhebung verlangen und dafür eine fließende Vorwärtsbewegung erhalten.

Spanischer Schritt

Und wozu das alles……

1. weil es Pferd und Mensch Freude macht 🙂

2. weil es das Pferd körperlich gesund hält

3. weil es das Pferd geistig-mental fordert und fördert

4. weil es das Pferd seelisch-psychisch unterstützt, indem es Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein aufbaut

5. weil es die Bindung und das Vertrauensverhältnis und die Kommunikation Mensch-Pferd festigt

6. weil der Mensch sich in seiner Persönlichkeit weiterenwickelt, indem er sich mit mit sich selbst und mit den Themen Lernverhalten und Pädagogik auseinandersetzen muss

7. weil der Mensch in seiner Motorik, Körperkoordination und seinem Feingefühl geschult wird

8. weil der Mensch durch die Erfolgserlebnisse im Zusammensein mit den wundervollen Mitgeschöpfen Zufriedenheit und Freude erlebt

…. fällt Euch noch mehr ein? Schreibt mir Eure Beweggründe 🙂 – ich freue mich drauf!