Gymnastizierendes Reittraining mit Smokey November 2017

Beim Reittraining hatte ich endlich mal wieder die Videokamera dabei. Gnadenlos werden meine Sitzfehler dokumentiert…. ich merke deutlich, dass ich seit Monaten ohne Trainer/Reitlehrer/Beobachter reite. Doch seht selbst:

 

* Es ist ein kühler Herbsttag. Smokey und ich sind guter Laune. Smokey blickt spitzbübisch voll positiver Erwartungen und gespitzen Ohren unserer Reiteinheit entgegen. Smokey ist gebisslos gezäumt. Sobald ich die Zügel aufnehme, nimmt Smokey seine Haltung „in der Kraft“ ein. Er hebt den Widerrist und den Hals an und verlagert sein Gewicht nach hinten – bereit zum Losmarschieren. Das Zügelaufnehmen „endet“ beim leicht durchhängenden Zügel, wie auf dem Bild wunderbar zu sehen ist. Niemals darf Druck oder Zug am Zügel entstehen.

Smokey und ich

 

* Jedes Training -egal ob vom Boden oder vom Sattel aus- beginne ich mit Schulterherein. Diese Übung macht das Pferd geschmeidig und aufmerksam.

Hier reite ich einhändig, die Zügel in der rechten (äußeren) Hand. Die Gerte in der linken Hand.

Auf den Fotos zum Schulterherein werden Spannungen meinerseits im Oberkörper-Schulter-Bereich sichtbar. Hier werde ich künftig besser darauf achten, die Gertenhand nicht in der Schulter hochzuziehen. Ich konzentriere mich darauf, dass meine Schultern sanft ohne Spannung auf gleicher Höhe „hängen“. Mein Rücken ist dabei aufgerichtet, der Schulter-Arm-Bereich entspannt. Wenn ich die Gertenhand bewege dann lediglich aus dem Handgelenk oder maximal aus dem Ellenbogen. Die Schulter bleibt stets in entspannter Position. Der Pferdekopf bleibt in etwa vor der Brust und wird nicht zu weit nach innen genommen.

Obwohl mein Sitz und meine Hilfengebung zu wünschen übrig lassen, bewegt sich Smokey freudig-geschmeidig mit aktivem Hinterbein auf der Volte im Schulterherein. Er weiß, dass ihm diese Übung gut tut und er hat sichtlich Freude daran.

Schulterherein auf der 6m Volte
Schulterherein auf der 6m Volte

 

* Auf den folgenden Fotos (Travers) ist sichtbar, dass ich mit zuviel Körperspannung reite. Ich bin fest in der Hüfte und fange an zu schieben, dadurch gerate ich mit dem Sitz in Richtung äußere Sattelkante. Mein inneres Bein strecke ich verkrampft weg. Mein äußeres Bein ziehe ich hoch und nach hinten. Da tröstet auch mein fröhliches Lächeln wenig….

Im Travers werde ich künftig besser darauf achten:

  • mit lockerem Hintern/Hüftbereich und entspannten Beinen in Bewegungsrichtung zu sitzen. (nicht klemmen, nicht schieben, nicht drücken!)
  • die innere Hüfte vorzunehmen
  • das äußere Bein gerade und vorne am Gurt zu belassen. (nicht hochziehen und nicht nach hinten nehmen!). Treiben nur bei  Bedarf und im richtigen Moment. Stichwort: Timing der Hilfengebung!
  • das innere Bein nicht wegzustrecken, sondern locker hängen zu lassen. Bei Bedarf  signalweise treibend einwirken, um das Vorwärts zu unterstützen
  • Hilfen nur unterstützend einzusetzen! Stichwort: Auslassen der Hilfen! => der Sitz des Reiters gibt die Bewegung vor – das Pferd handelt selbstständig ohne mit Hand oder Bein belästigt zu werden
Travers / Kruppeherein rechtsherum
Travers / Kruppeherein rechtsherum

* Für die Schrittpirouette gelten die gleichen Regeln wie für das Travers. Im Grunde ist die Schrittpirouette ein Travers um das innere Hinterbein herum.

Ich achte also auf:

– einen lockeren Sitz mit Schwerpunkt in die Bewegungsrichtung (bei der Pirouette mehr nach hinten als im Travers)

– „lange“ herabhängende Reiterbeine

– innere Hüfte nach vorne

– Schultern ohne Spannung auf gleicher Höhe

– treibende oder verhaltende Hilfen nur bei Bedarf und im richtigen Augenblick impulsartig

– Position des Pferdekopfes vor der Brust (nicht zu weit nach innen)

– Pferd loben

– Freuen 🙂

– Lächeln 🙂

Schrittpirouette

 

Schrittpirouette

* Sobald ich an Trab denke und meine Körperspannug kurz impulsartig erhöhe, trabt Smokey fleißig an. Hier sitze ich bei langem, entspannten Reiterbein und schöner Aufrichtung locker im Sattel. Entsprechend geschmeidig bewegt sich Smokey in der Kraft. Seine Bewegungen laufen über den Rücken, der Widerrist-Hals-Bereich ist angehoben. Smokey ist konzentriert und aufmerksam.

Trab

* Trab auf der Volte ist eine sehr anstrengende Übung. Das Pferd benötigt Kraft aus der Hinterhand um sich aufzurichten und Koordinationsfähigkeit um sich auszubalancieren. Smokey gerät hier leicht in Schräglage. Ich touchiere ihn gerade mit der Gerte an der Außenseite, um ihn an seine äußere Schulter zu erinnern.

Im Trab auf der 6m Volte

* Beim folgenden Bild (Trab auf der Volte) sieht man deutlich, dass die Zügel immer leicht durchhängen (Zügelführung einhändig in der äußeren Hand). Das Pferd sollte nie mit dauernder Zügeleinwirkung belästigt werden. Sobald das Pferd „in der Kraft“ ist, lasse ich von jedem Zügeleinsatz ab. Auch sichtbar ist Smokeys Konzentration auf seinen Körper, er ist mit seiner Aufmerksamkeit ganz bei sich und damit auch bei mir.

Trab auf der Volte

 

* Wenn ich das Pferd im Stehen „sammeln“ möchte, kann ich im Stand eine „Parade“ geben. Bitte vergleicht Bild 1 und Bild 2: ich sammle mich selbst und verlagere mein Gewicht (ohne jegliche weitere Hilfe) im Sattel nach hinten. Daraufhin schiebt Smokey sein Körpergewicht über die stehenden Hinterbeine rückwärts. Smokey gibt in den Hanken nach und beugt die Gelenke der Hinterhand. Sein Rücken wölbt sich, die Vorderhand wird leichter. Dabei ist er voll konzentriert. Die Hinterbeine bleiben am Platz stehen, ein Vorderbein setzt Smokey einen Schritt zurück. Diese Übung ist sehr hilfreich, um dem Pferd eine Balanceverschiebung nahe zu bringen. Diese Lektion ist für jedes Pferd sinnvoll und hilfreich. Erarbeitet wird diese Übung – wie jede andere Übung auch – am Besten am Boden.

Parade im Stehen 1
Parade im Stehen 2
Parade im Stehen animiert

=> Resümee

Ich achte künftig besser auf meinen Sitz und meine Hilfengebung. Nur wenn ich konsequent bei  Reaktion des Pferdes die Hilfen aussetze und lobe, erhalte ich ein zufriedenes Pferd. Wenn ich merke, dass ich mich verspanne, nehme ich meine Erwartungshaltung raus und konzentriere mich auf meinen Atem. Ein verspannter Sitz führt zu einem verspannten, klemmigen Pferd. Nur wenn ich selbst geschmeidig bin, kann sich mein Pferd geschmeidig bewegen.

 

Bitte entschuldigt die schlechter Qualität der Bilder, wie erwähnt wurden die Bilder aus einem Video ausgeschnitten.

Ich kann nur jedem Reiter raten, sich regelmäßig schulen zu lassen oder sich selbst mittels Foto/Video zu schulen, bzw. zu kontrollieren. Nicht nur beim Reiten auch bei der Bodenarbeit.

Ich werde die Videokamera demnächst sicherlich wieder öfters mit in den Stall nehmen. Denn es schleichen sich so schnell  Sitzfehler ein….. und dann fühlt es sich „richtig“ an, obwohl es „falsch“ ist. Im schlimmsten Fall gewöhnt sich das Pferd an unsere „Fehler“ und wir müssen nachher „umschulen“.

In diesem Sinne: Niemand ist perfekt – Übung macht den Meister 🙂

Und was natürlich immer Hauptziel ist – bitte drandenken: die Freude am gemeinsamen Miteinander !! 🙂 Ohne Freude ist alles nichts!