Zäumungen und Gebisse II. – Kurs Gebisskunde und Zäumungskunde mit Wolfgang und Christin Krischke bei Sabine Oettel

Passend zu meinem vor Kurzem verfassten Eintrag, habe ich am 22./23. April 2017 einen Kurs zum Thema Zäumungen und Gebisse / Zügelhilfen besucht. Wieder bei Meisterin der Akademischen Reitkunst Sabine Oettel in Wendlmuth (www.akademische-reitkunst.at) mit Wolfgang und Christin Krischke von der Fürstlichen Hofreitschule Bückeburg (www.hofreitschule.de).

Im Theorieteil ging es vor allem darum, die Wirkungen der einzelnen Zäume und Gebisse darzustellen. Auch die Zügelhilfen und noch wichtiger das Aussetzen derselben wurden besprochen.

Wieder wurde ich in der Meinung bestärkt, dass kein Pferd „die Anlehnung an das Gebiss sucht“ (vgl. Studien von Witzmann 2007) und dass ich meine Pferde in maximaler Freiheit – Auslassen der Hilfen – reiten möchte. Mein Pferd darf und soll sich in die gemeinsamen Bewegungen aktiv mit einbringen, es soll Vorschläge machen und mitdenken.

Besonders wichtig finde ich die allgemeinen Praxistipps von Christin zur Hilfengebung:

  • Mache Dir ALLE Hilfen bewusst => deutliches Hinfühlen, wie und wo wirke ich wie stark ein und warum, mit welchem Ziel
  • Versuche die Hilfen radikal zu minimieren => geht es auch ohne „Hilfe“, „Fehler“ dürfen erlaubt sein
  • Lenke mit dem Sitz, „bremse“ mit der Stimme
  • Ermittle in jeder Gangart und Lektion die Körperhaltung „in der Kraft“ des Pferdes => Zügelhilfen dienen nur noch als „Positionsgeber“ für die Hals-/Kopfhaltung mit dem Ziel des willentlich gehobenen Widerrists
  • Bedanke Dich sofort beim Pferd durch Aussetzen der Hilfen und Lob
  • Überfordere Dein Pferd nicht => nur wenige Minuten Training und langsam steigern. Wenn das Pferd zeigt, dass die Kraft ausgeht: Pause machen und Führen; Dehnen lassen nur im Stand, damit das Pferd nicht in der Bewegung auf die Vorhand kommt.
Wirkung von Gebissen und Zäumungen – Pferdeschädel
Wolfgang Krischke erklärt die Wirkung von gebisslosen Zäumungen – hier das Bosal
Christin Krischke zeigt am Pferdeschädel die Austrittsstellen der Nerven und lässt jeden Kursteilnehmer bei sich selbst im Gesicht die Nervenbahnen erfühlen
Pferdeschädel – die deutlich sichtbaren „Löcher“ sind die Austrittstellen der Nerven und damit die empfindlichsten Stellen am Pferdekopf. Im Pferdemaul sind die sog. Laden am empfindlichsten, da die Unterkieferäste an dieser Stelle nur mit einer dünnen Hautschicht bedeckt sind.
Wolfgang und Christin Krischke erklären die Auswirkungen von Gebissen und gebisslosen Zäumungen

Ich kann nur jedem Reiter empfehlen, sein Pferd bei der Wahl des Zaumes oder Gebisses entscheiden zu lassen und sich Gedanken zu machen über die eigene Hilfengebung. Denn es liegt alles in der Hand des Reiters!

Ich für mich habe wieder sehr viele interessante Anregungen mitgenommen, auch im Praxisteil als das Auslassen der Hilfen wunderbar gezeigt wurde.

Fazit für mich: Die Pferde sollen durch die Hilfen des Reiters nicht entmüdigt, sondern stattdessen befähigt werden. Das erfordert ein ständiges Bewusstmachen (!!), Lernen und Hinterfragen meiner Motivation und meiner Handlungen im Umgang mit meinen Pferden.

Zum Weiterlesen:

  • Christin Krischke „Du entscheidest! – Reiten mit gutem Gewissen“
  • Friederike Uhlig Universität Wien „Darstellung der Lage verschiedener Trensengebisse im Pferdemaul bei Einwirkung unterschiedlich starken Zügelzuges am gerittenen Pferd im Halten“
  • Kathrin Kienapfel und Holger Preuschoft „Viel zu eng! Über die Verschnallung der Nasenriemen“
  • Dr. Peter Witzmann „Wirkung von Gebissen im Pferdemaul“
  • Holger Postulart Dominique Giniaux „Osteopathie beim Pferd“